Gruppenfoto mit Menschen in historischen Kleidern, die eine Fahne halten, vor einem alten Gebäude.

Tradition kehrt zurück: Vorgebirgsmeisterschaft im Fähndelschwenken beim 41. Lehmkuhlefest 2026

Am Sonntag des diesjährigen Lehmkuhlefestes erwartet die Besucherinnen und Besucher neben dem Familienfest ein besonderer Programmpunkt: Ab 15:00 Uhr richtet der Junggesellenverein Männer-Reih „Einigkeit 1852“ Merten-Heide die Vorgebirgsmeisterschaft im Fähndelschwenken aus.

Gruppenfoto mit Menschen in historischen Kleidern, die eine Fahne halten, vor einem alten Gebäude.

Die Vorgebirgsmeisterschaft ist weit mehr als ein Wettbewerb. Sie steht für die gemeinsame Tradition der Junggesellenvereine im Vorgebirge, für Vereinsverbundenheit, Gemeinschaft und die Pflege eines Brauchtums, das über viele Generationen weitergegeben wurde. Beim Fähndelschwenken treten die Schwenker mit ihren Vereinsfähndeln an und zeigen Können, Konzentration und Körperbeherrschung. Die Fahne vertritt dabei stets auch den eigenen Verein und dessen Geschichte.

Für die Männer-Reih ist die Ausrichtung dieser Meisterschaft etwas Besonderes, denn das Fähndelschwenken ist tief in der eigenen Vereinsgeschichte verwurzelt. Bereits vor rund 80 Jahren, im Jahr 1946, begann Johann Heck als Fähnrich der Männer-Reih und errang noch im selben Jahr seine erste Meisterschaft in Fischenich. Wenige Jahre später gewann auch Heinz Mandt für die Männer-Reih Merten die Vorgebirgs-Meisterschaft. Damit gehörten Fähnriche unseres Vereins zu den erfolgreichen Vertretern dieser Tradition im Vorgebirge.

Auch für das Lehmkuhlefest ist eine Fähndelschwenker-Meisterschaft kein völlig neuer Anblick: Beim 23. Lehmkuhlefest im Jahr 2005 wurde sonntags die Rheinische Meisterschaft im Fähndelschwenken ausgetragen. Mehr als zwanzig Jahre später kehrt dieser besondere Brauch nun wieder auf den Lehmkuhleplatz zurück.

Was die Besucher erwartet, ist ein traditionsreicher und zugleich beeindruckender Wettbewerb. Beim Fähndelschwenken kommt es auf einen sicheren Stand, Rhythmusgefühl und eine präzise Führung des Fähndels an. Figuren wie das „Schweizer Kreuz“ oder die „Doppelte Sonne“ zeigen, wie anspruchsvoll dieses Brauchtum ist. Jeder Auftritt macht sichtbar, wie viel Übung und Leidenschaft hinter dem Schwenken einer Fahne stecken.

Die Vorgebirgsmeisterschaft bietet zugleich eine schöne Gelegenheit, die Verbindung zwischen den Junggesellenvereinen der Region lebendig zu halten. Besonders eingeladen sind daher neben den aktiven Fähndelschwenkern auch ehemalige Junggesellen, frühere Schwenker, Wegbegleiter der Vereine und alle, die sich dem Brauchtum im Vorgebirge verbunden fühlen. Für viele wird dieser Nachmittag sicherlich auch ein Wiedersehen und ein Anlass zum gemeinsamen Erinnern sein.

Der Sonntag auf der Lehmkuhle wird damit zu einem Tag für alle Generationen: Während das Familienfest Unterhaltung und Begegnung für Groß und Klein bietet, bringt die Vorgebirgsmeisterschaft ein besonderes Stück regionaler Vereinsgeschichte zurück nach Merten-Heide.

Wir freuen uns auf zahlreiche Gäste, aktive und ehemalige Junggesellen sowie einen besonderen Nachmittag mit euch allen auf dem Lehmkuhleplatz.

Vorgebirgsmeisterschaft im Fähndelschwenken
Sonntag beim Lehmkuhlefest der Männer-Reih
Beginn: 15:00 Uhr


Hintergrund: 80 Jahre Vorgebirgsmeisterschaft im Fähndelschwenken

1946 siegte Johann Heck für den Junggesellenverein Merten-Heide

„Wenn der Mann dat Fähndel schwenk,
spöngt die Frau Frau över Stöhl un Bank.
Juhz die Flöt un bumms die Trumm,
alles steht und staunt rundöm“

So beginnt schon seit jeher eine bekannte Liedtextvariante des rheinischen Fähndelschwenkmarsches. Eine spezielle Form des Fahnen- oder Fähndelschwenkens hat sich beiderseits der Köln-Bonner-Bucht über das Vorgebirge, die Voreifel und Eifel, das Ahrtal, den Westerwald, das Siebengebirge und über den Rhein-Siegbereich entwickelt. Das Fähndelschwenken ist dabei ein sichtbares Symbol und ein Aushängeschild von vielen Junggesellenvereinen, Männereien, Maiclubs, Maigesellschaften, aber auch von Schützenbruderschaften.

So auch vom Junggesellenverein Merten-Heide 1852, der später noch um eine Männerei (verheiratete Altjunggesellen) erweitert wurde. Josef Mandt, Heinrich Mandt und Johann Heck zählten Ende der 1940er und der 1950er zu dessen namhaften Vertretern und konnten viele Fähnrichsmeisterschaften im Namen des Vereins für sich entscheiden. Dazu zählen u. a. die Vorgebirgsmeisterschaft, die Siebengebirgsmeisterschaft, der linksrheinische Meistertitel sowie die Westdeutsche Meisterschaft. Aber auch Wanderpokale wie der „Steinadler vom Rhein“ zählen dazu.

Der Vorgebirgsort Merten konnte auch lange Zeit zwei Junggesellenvereine aufweisen. 1958 konnte August Bollenbeck die Siebengebirgsmeisterschaft und 1998 Dirk Segschneider die Stadtmeisterschaft im Vorgebirge für den Junggesellenverein Merten entscheiden.

Neben u. a. den o. g. Meisterschaften wurden auf fast jedem Junggesellen- bzw. Maifest auch sogenannte Vereinsmeisterschaften ausgerichtet.

Brauchtum, Hobby oder Sport: Das Fähndelschwenken der Junggesellen bietet vieles, wenn man etwas für sich oder andere bewegen möchte.

Ablauf einer Meisterschaft

Zu den Klängen des Fähnrichsmarsches stehen jedem Teilnehmer fünf Minuten zur Verfügung. Wenn genügend Fähnriche anwesend sind, qualifizieren sich die besten fünf für das „Drummschwenken“, das Finale.

Die Vorentscheidung besteht aus einem Pflichtteil „der Regel“ und einem Teil für Kunstfiguren. Diese Figuren können entsprechend der Punktierliste kombiniert werden. Im Finale stehen dem Fähnrich dagegen fünf Minuten für Kunstfiguren zur Verfügung.

„Die Regel“ – eine fest vorgegebene Reihenfolge von Figuren – ist das Erste, was ein Fähnrich lernen sollte. In ihr sind die grundlegenden Handgriffe des Schwenkens verankert und sie ist ein fester Bestandteil einer jeden Meisterschaft.

Der Fähnrich lernt dadurch die Eigenschaften der Fahne und deren „Ausgewogenheit“ kennen, aber vor allem sollte er dabei die Haltung erlernen. Die Regel symbolisiert den jahrhundertealten militärischen Ursprung des Fahnenschwenkens. Eine Zeit, in der vermutlich die Fahnen durch ihre Tuchgröße (eingefasst in Baumwoll- oder Metallfransen) sowie durch ihr Gewicht nicht zum Werfen und für Figuren wie Sonnen oder Schnappschläge geeignet waren.

Der „Ehrgeiz“ eines Fähnrichs zeigt sich in der Disziplin des Erlernens der Haltung und der Sauberkeit (Wurf- und Schwenkform) der verschiedenen Figuren. Dies unterscheidet oft das Schau- und Freundschaftsschwenken vom Preis- und Meisterschaftsschwenken. Dies gilt zumal bei den letzten beiden Wettkämpfen: Ein Fähnrich muss in der Lage sein, die entsprechenden Figuren dreimal hintereinander mit der linken Hand und dreimal hintereinander mit der rechten Hand zu werfen. Erst dann können sie vom Preisgericht mit Punkten bewertet werden. Jeder Fähnrich hat seine „Schokoladenseite“ und hier ist eine Synchronität mit beiden Händen gefragt.

Vorgebirgsmeisterschaft 2026 in Merten-Heide

Merten-Heide ist nun in diesem Jahr Ausrichtsort der „Vorgebirgsmeisterschaft im Fähndelschwenken“, 80 Jahre nachdem einer der ersten Fähnriche vom Junggesellenverein Merten-Heide, Johann Heck, 1946 diese Meisterschaft für sich und den Verein entscheiden konnte. Die Vorgebirgsmeisterschaft zählt neben der Siebengebirgs-, Rheinland- und der Westdeutschen Meisterschaft zu den ältesten Meisterschaftstiteln im Rheinland, da diese wahrscheinlich auch vor 1939 stattfand.

Ausgerichtet wird die diesjährige Meisterschaft im Rahmen des Lehmkuhlefestes des Junggesellenvereins Männer-Reih „Einigkeit 1852“ Merten-Heide am Sonntag, 19.07.2026. Gegen 15:00 Uhr treten die Fähnriche der Junggesellenvereine in den Vordergrund. Neben dem Wanderpokal und der Wanderschärpe zum Vorgebirgsmeister wird es einen Pokal für die beste Haltung sowie einen Sonderpokal 80 Jahre Vorgebirgsmeisterschaft geben.

Bei der Schnelligkeit des Schwenkens und oft für die Augen des Zuschauers nicht direkt sichtbar, entscheiden kleine Drehungen des Handgelenks über die Art sowie den Schwierigkeitsgrad einer Figur.

Lassen Sie sich überraschen, bestärken Sie die Fähnriche in ihrer Darbietung und unterstützen Sie altes Brauchtum.

Wir wünschen einen geselligen Nachmittag.