1852 wurde unter dem Namen „Einigkeit Merten“ ein Verein gegründet, der den Zweck verfolgte, die Jünglinge von Merten, Merten Heide und Trippelsdorf „in Einigkeit und Freundschaft zu verbinden, die gesellschaftliche Unterhaltung anzustreben und teilzunehmen an allen öffentlichen, patriotischen und kirchlichen Festen“.
So lautet der 1. Paragraph der Gründungsurkunde, die Freiherr von Weichs als damaliger Bürgermeister unterzeichnete. Als Zielsetzung der Vereinsstatuten wurde klar ausgedrückt, dass man hauptsächlich altes Brauchtum und zünftige Geselligkeit pflegen wollte.

Im Jahr 1899 betrug die Mitgliederzahl des Junggesellenvereins 38.

Schon sehr früh beteiligte man sich durch aktive Veranstaltungen am allgemeinen Dorfgeschehen. Die erste Abrechnung stammt aus dem Jahre 1859, als man anlässlich der Dorfkirmes zu Merten für Musikanten 29 Thaler ausgab, an Einnahmen aber 37 Thaler 10 Groschen verbuchen konnte. In diesern Jahre hatte die Reih die beachtliche Zahl von 30 aktiven Mitgliedern.

Jedes Vereinsjahr begann mit dem 15. Januar. Die Aufnahmegebühr (bis Februar)   betrug 25 Pfennige, nach diesem Zeitpunkt 50 Pfennige. Der monatliche Beitrag belief sich auf 15 Pfennige. Hiervon wurden die nötigen Ausgaben bestritten.

1898 war die Finanzlage des Vereins so gut, dass man sich zur Anschaffung einer neuen Tragfahne entschloss. Zusammen mit Anzug und Schleifchen mussten dafür 95 Mark bezahlt werden.

Im gleichen Jahr ist auch die langjährige Tradition des Vereins, das Preisfähndelschwenken, erstmals erwähnt. Unter der Obhut von Johann Goldschmidt als Schultheiß wurde großartig gekämpft und ein erfolgreiches Fest gefeiert.

Zur Jahrhundertwende wurden die Statuten überarbeitet und neu gefasst. Wesentlichen Anteil hatten August Zehnpfennig als Schultheiß und Peter Köhl als Präsident. Die Zielsetzung blieb unverändert. Die Aufnahmebedingungen und die Verhaltensregeln für die Mitglieder wurden verschärft. Die Mitgliedschaft machte man abhängig von einer Losung durch alle Mitglieder, entscheidend war Stimmenmehrheit. Teilnahme an anderen Vereinen war erlaubt, soweit keine eigene Reih gebildet wurde.

Zur Kontrolle durch die auch damals sehr aktive Polizei mussten im Vereinslokal die genehmigten Vereinsstatuten und ein Mitgliederverzeichnis aufbewahrt werden, damit der kontrollierende Beamte sie einsehen konnte.

Gleich nach dem 1. Weltkrieg formierte sich der Verein unter dem Namen „Einigkeit Merten-Heide“ neu.

Bereits 1919 wurde die Kirmestradition wieder aufgenommen. Außerdem veranstaltete man eine wohIgelungene Feier aus Anlass der Gefangenenheimkehr.

Der Verein rettete sich über die Inflationszeit mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten hinweg, bis er im Jahre 1936 durch Verordnung aufgelöst wurde.

Am 23. Januar 1946 beantragten Johann Stüsser, Willi Gierlich, Josef Meyer, Peter Marx und Hubert Fischenich in einem deutschenglischen Fragebogen bei der Militärregierung die Wiederzulassung des Vereins. Dem Antrag wurde am 08.02.1946 stattgegeben. Schon neun Tage später fand im Saal Maus die erste genehmigte Musik und Tanzveranstaltung statt.

Vor der Währungsreform blühte das Vereinsleben mächtig auf. Das 95jährige Stiftungsfest wurde von 39 auswärtigen Vereinen besucht. Fähnrich Johann Heck holte dem Verein die Linksrheinische Meisterschaft im Fähndelschwenken.

1950 holte Fähnrich Johann Heck mit dem Gewinn der Westdeutschen Meisterschaft den größten Vereinserfolg.

Die Teilnahme an auswärtigen Junggesellenfesten stand stets unter dem Motto:

„Ob Regen oder Sonnenschein, Einigkeit Merten-Heide wird zur Stelle sein“

Zu den Fähnrichen des Vereins zählten Heinrich Schallenberg, Johann Link, Michael Frings, Andreas Keulen, Peter Schwert, Wilhelm Keller, Heinrich Schmelzer, Heinrich Söntgen, Edmund Corten, Heinz Mandt, Peter Marx, Christian Boos, Hubert Fischenich, Josef Schnorrenberg, Josef Mandt, Johann Heck, Theo Mandt und Willi Loch.

Besonders zu erwähnen sind: Johann Heck begann 1946 als Fähnrich und holte schon im gleichen Jahr seine erste Meisterschaft- es sollte nicht die letzte bleiben. 1948 errang er in Roisdorf die Linksrheinische Meisterschaft. 1949 die Westdeutsche Meisterschaft

Heinz Mandt gewann neben vielen Meisterschaften auch die Vorgebirgsmeisterschaft.

Sein Bruder Josef gewann 1958 die Siebengebirgs-Meisterschaft.

Zum 100 jährigen Bestehen feierte der Verein ein rauschendes Fest, das vom Festkommers am Samstag bis zum Schlussball am Montag drei Tage dauerte. Beim sonntäglichen Preisfähndelschwenken wurde die neu angeschaffte Schwenkfahne von dem 82 jährigen Franz Söntgen, dem ältesten Fähndelschwenker des Vorgebirges, erstmals gezeigt.

Das Protektorat über das Jubelfest hatte Maximilian Freiherr von Weichs, Generalfeldmarschall a. D.,  übernommen. In seinem Geleitwort begrüßte er, dass sich die Jugend wie vor 100 Jahren die Aufgabe stellt, Sitte und Brauchtum zu bewahren und Liebe zur Heimat in aller Herzen zu senden. Er drückte seine Hoffnung aus, dass die Jugend auch künftig über alle Wirrnisse und Veränderungen des modernen Lebens hinweg Treue zur Tradition in diesem Verein erhalten möge.

Bis zum 110 jährigen Stiftungsfest war es tatsächlich die Jugend, die an dieser Tradition festhielt. Hier wurde noch einmal ein herausragender Höhepunkt gefeiert. Aber schon in diesem Jahr mussten mangels ausreichender Junggesellenzahl die Statuten geändert werden.

Schon seit einiger Zeit war die Vereinsführung nicht mehr möglich. Weil die aktiven Mitglieder nach ihrer Heirat ausscheiden mussten, andererseits eine erfolgreiche Vereinsarbeit ohne die „Altgedienten“ immer schwieriger wurde, entschloss man sich, deren Erfahrungen auszunutzen und die Statuten so zu ändern, dass die Verheirateten auf Wunsch im Verein bleiben konnten.

Durch den Zusatz „MännerReih“ im Vereinsnamen wurde dieser Änderung auch nach außen hin Rechnung getragen. Dadurch wandelte sich das Gesicht des Vereins so stark, dass Junggesellen fast nicht mehr zu finden sind. Als Ausnahme gilt Theo Klein, der mit 69 Jahren als ältestes aktives Mitglied geführt wird.

Da im Laufe der Zeit Fähndelschwenken nur noch selten durchgeführt wurde, verlagerten sich die Initiativen des Vereins immer mehr auf die Beteiligung am allgemeinen Dorfgeschehen. Am Brauch des Maibaumsetzens wurde allerdings bis heute festgehalten.

Bedingt durch zeitweise niedrige Mitgliederzahlen mussten sich die Ausgaben wegen der relativ schwachen FinanzIage in der Regel auf das Notwendigste beschränken.

Nachdem im Jahre 1963 zum letzten Mal vom Verein eine Kirmes auf der Heide veranstaltet wurde, bei dem auch das letzte Preisschwenken stattfand, begab man sich offiziell immer mehr auf das „närrische Parkett“.

Dieser Trend wurde eingeleitet im 111. Jahre des Vereinsbestehens (1963), als mit Josef I. und Klara I. (Meyer) erstmals der Karnevalsprinz von der „MännerReih“ gestellt wurde. Vom Karnevalszug ist zu berichten, dass die Heide wegen Glatteis von der Route ausgeschlossen werden sollte.

Da die „MännerReih“ mit Stammsitz Heide dies verständlicherweise nicht zulassen konnte, organisierte man in Privatinitiative und mit großem persönlichen Einsatz einen Streudienst für die Broichgasse. Der Zug erreichte ohne Zwischenfall die Heidehöhe.

In den Folgejahren wurde jeweils das Vereinsleben durch den Bau eines Festwagens zum Karnevalszug dokumentiert.